Fakten über PCB

Das industrielle Synthesen-Wunder

PCB ist eine synthetische Bauchemikalie, welche in einer Vielzahl von Materialien eingesetzt wurde. Die Vorteile dieses industriellen Produktes ist die thermische und chemische Stabilität, es ist schwer entflammbar und elektrisch nicht leitend. PCB diente hauptsächlich als Weichmacher und Dehnungsmasse, als Kühlmittel aber auch z. B. als Hydraulikflüssigkeit.  In reiner Form ist PCB praktisch geruchslos. Die Abkürzung PCB steht für Polychlorierte Biphenyle, eine Form chemischer Chlorverbindungen. Abhängigkeit von der Position und der Anzahl der Chloratome gibt es 209 verschiedene chlorierte Biphenyle.

    tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt PCB Molekuelstruktur.jpg
 
PCB-Kongenere
m = 0, 1, 2, 3, 4 / 5
n = 0, 1, 2, 3, 4 / 5
 

PCB ist in reiner Form eine gelbliche, praktisch geruchlose Flüssigkeit

   tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt Industrie.jpg Ab 1929 wurden industrielle Synthesen zur Herstellung von polychlorierten Biphenylen entwickelt

 

Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit

PCB wird über den Magen-Darm-Trakt, über die Haut oder auch durch Einatmen von Dämpfen aufgenommen, verteilt sich rasch im Körper und reichert sich im Fettgewebe an, wo es deponiert bleibt. PCB ist eines der gefährlichsten Umweltgifte überhaupt. Durch die Eigenschaft, dass PCB fettlöslich ist und sich in der  Umwelt nicht abbaut, verteilt sich PCB global und reichert sich in der Nahrungskette ständig weiter an. PCB, das in die Umwelt gelangt, bleibt für alle Ewigkeit im Nahrungs-kreislauf enthalten! Die höchsten Konzentrationen an PCB fand man bei Meeresvögel und Meeres-säugern. Es führt bei Schildkröteneiern zur Geschlechtsumwandlung und im Labor wurde bei Mäusen eine Verringerung der Spermien, eine Reduktion der Wurfgrösse sowie eine erhöhte Sterblichkeit der Jungtiere nachgewiesen. Auch ist die rückläufige Population von z. B.  Fischottern, Seehunden und Seelöwen auf die hohe PCB Umweltbelastung zurückzuführen, es schwächt die Wale und Infektions-krankheiten haben leichtes Spiel. In Folge davon stranden immer mehr Wale. Für den Menschen besteht durch PCB in der Regel keine akute, unmittelbare Vergiftungsgefahr. Jedoch konnten fatale Langzeitauswirkungen schon bei geringen Mengen festgestellt werden. PCB führt zu Leber-, Milz- und Nierenschäden, beeinträchtigt den Sexualhormonhaushalt und es besteht der Verdacht auf krebserregendes Potenzial. Ebenfalls typische Auswirkungen sind Haarausfall, Schädigung des Immunsystems und die sogenannte Chlorakne: Hautveränderungen, Knoten, Abszesse und Zysten. Auch kann die körperliche und geistige Entwicklung durch PCB verzögert werden. In Japan und Taiwan kam es Ende der 60 er und 70er Jahren zu Massen-vergiftungen bei Menschen durch PCB belastetes Reis Öl, was zu Totgeburten und Missbildung führte.

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Anreicherung von PCB in der marinen Nahrungskette
   tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt Leber, Nieren.jpg PCB führt u.a. zu Leber- Milz- und Nierenschäden, ist krebserregend und beeinträchtigt den Sexualhormonhaushalt

 

Verwendung von PCB

PCB wurde vielseitig eingesetzt. Es diente als Schmiermittel oder in Hydraulikflüssigkeiten, als Weichmacher in Lacken und Kunststoffen (z. T. bis zu 50% vom Gewicht!), in Fugendichtungsmassen jeglicher Art, z.B. für dauerelastische Dehnungsfugen im Betonbau, Anschlussfugen für Türen, Fenster, Sanitär usw. Auch bei vielen Isoliermitteln kam PCB zur Anwendung. So wurden in der Anfertigung von Kondensatoren früher PCB-haltige Isolieröle eingesetzt.  Solche PCB belasteten Kondensatoren sind in vielen älteren technischen Geräten vorhanden. (Die Bezeichnungen MP, MKP, MPK auf Kondensatoren weisen auf PCB-Freiheit hin). Auch diente PCB als Flammschutzmittel in Farben und Lacken, haben eine akustisch positive Wirkung in Wand- und Akustikdeckenplattenfarben (weisse Farbe) und auch als Klebstoff für Fussboden wurde PCB verwendet.

 

Beispiele von PCB-Verwendungen:

tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt PCB Kondensator.jpg  tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt Vorschaldgeraet.jpg tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt Fugenkitt.jpg  tl_files/bauschadstoffe/bilder/Faktenblaetter/Faktenblatt PCB/Faktenblatt Farbe und Lacke.jpg

Kondensatore

Vorschaltgerät von Leuchtstofflampen

Fugendichtungsmassen

Farbe und Lacke

 

Gefahrenermittlung und Einschätzungen

In der Aussenluft von Gebäuden mit PCB-Quellen treten Konzentrationen von bis zu 10 ng/m3 Luft auf. Im Innenbereich bis zu 1‘000 ng/m3 und in Einzelfällen gar bis zu 10‘000 ng/m3. Untersuchungen zeigten, dass PCB belastete Materialien, die vor dem Verbot von 1972 in Innenräumen verwendet wurden, z. T. noch heute zu Belastungen der Innenluft führen.  Zur langfristigen Wirkung auf den Menschen durch niedrigen Mengen PCB sind bis heute unzählige Fragen offen. Von unsachgemässen Sanierungen ist dringend abzuraten. Die Gefahr der unkontrollierten Freisetzung ist gross. So kann es passiert, dass die Innenraumbelastung nach nicht fachgerechter Entsorgung wesentlich höher wird als vor der Sanierung.

 

Gesetzliche Grundlage

Die Verwendung von PCB in offenen Systemen (z.B. Fugendichtungsmassen, Farbe und Lacke) wurde in der Schweiz 1972 verboten. Seit 1986 gilt ein generelles Verbot. Für die Sanierung gilt ein gesetzlich vorgeschriebener Grenzwert für PCB-haltige Stoffe von 50 ppm (mg/kg). Sanierte PCB-Abfälle sind in luftdichten Gefässen als Sonderabfall zu entsorgen. Weiter gelten die Bestimmungen der Verordnung über den Verkehr mit Abfällen (VeVA).

 

Download: "Faktenblatt PCB"

Download: "Grafik PCB in der marinen Nahrungskette"

 

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